Peng – und schon ist die Frontscheibe dahin: Kein Beispiel ist typischer dafür, warum nach gewissen Arbeiten in der Garage zunehmend die Position «Kalibrierung» auf der Rechnung auftaucht. Kann ein Steinschlag von der Garage nicht mehr kostengünstig repariert werden, steht spätestens zur MFK-Prüfung eine neue Frontscheibe an. Und hat das Auto eine Kamera hinter der Scheibe, muss danach kalibriert werden. Aber warum?
Der Grund ist schlicht die Sicherheit. Moderne Fahrassistenzsysteme (im Fachjargon ADAS genannt) wie ein adaptiver Tempomat, Spurwarner und -halter, Notbremsassistent oder adaptives Licht («Matrix-Licht») sind immer gefragter und immer häufiger auch gesetzlich vorgeschrieben, womit sie sich selbst in günstigen Kleinwagen verbreiten. Kein Wunder: Der Sicherheits- und der Komfortgewinn sind enorm. Doch die hochsensiblen Systeme können nur fehlerfrei arbeiten, wenn ihre Sensorik völlig exakt kalibriert ist.
Kleine Abweichung, grosser Fehler
Deshalb ist Kalibrieren ein Muss, etwa nach einer Kollision mit einem Tausch des Kühlergrills für einen Radarsensor dahinter oder nach einem Frontscheibenwechsel für die Kamera: Sowohl Autohersteller wie die Reparatur bezahlende Versicherungen verlangen dies. Um bei der Windschutzscheibe zu bleiben: Eine neue ist nie ganz identisch mit der alten Scheibe. Glas nutzt sich ab, Materialen variieren. Das Auge sieht das nicht, wohl aber die Kamera. Und ein Winkelfehler der Kamerahalterung von nur einem Grad ist nicht mit dem Auge erkennbar, führt aber in 100 Metern Distanz zu 1,70 Metern Abweichung. Ein Spurhalteassistent oder ein adaptives Licht liegen dann um fast eine Autobreite falsch.
Garagen garantieren die Sicherheit
Für Garagistinnen und Garagisten ist die Kalibrierung aufwendig. Es wird ein eigener Kalibrierplatz benötigt, geschulte Mitarbeitende und Hightech-Gerätschaften für eine fünfstellige Summe. Je nach Auto muss im Stand (statisch) oder in Fahrt (dynamisch) kalibriert werden – oder beides. Und es ist höchste Präzision gefragt. Die Kalibrierung wird nicht bei der MFK geprüft: Die Garage steht dafür gerade, muss Prüfprotokolle aufbewahren und wäre bei einem Crash durch Fehlkalibrierung in der Verantwortung. Doch legen unsere Garagen jederzeit höchsten Wert auf exakte Arbeit – für unser aller Verkehrssicherheit.

